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Mittwoch, 4. November 2009

(nähe, greifbar)

Wer überall sein will, ist nirgends.
Michel de Montaigne


1 Nähe, greifbar
an die Seite gestellte
Passagiere Passanten
Flankengestalten, die,
solange nichts in den Abläufen
stockt, solange der Kasten, der
sie zusammen zwängt, wie
üblich verkehrt, ihrer Geschichte
nicht ausgesetzt sind und ausharren,
als hielten sie den Grundton
der Bewegung nach, gemeinsam.


2 die Kodierung verknüpft
im Fahrtenschreiber unbeteiligt
die Liegenschaften, den Halt, die Umschlagstationen,
die nur die Richtungen der Gleise ausweisen
in der Aussicht Verwaschenes
Ortsmerkmale, wie aufgestellt,
Rückansichten der Stadtkulissen,
auf beiden Seiten der Scheibe
Irritationen, Bedenken um Bestand
im Moment des Vorüber und
Ferne.

3 bei dir. Sagst
Hiersein ist Atmung
und dennoch
bleiben wir
fluchtversucht

Montag, 17. August 2009

landnahmezeit

1

gelobt geräumt öd
no one is any kind of land
noch die summe seiner erscheinungen
keine topographie aus knochen und haut
körper - schaft
in die sich verkriechen ließe
die kopfhaut das einzige dach
auch die entlegensten erdteile
erfasst und verdrahtet in den
paläolithischen kultstätten herrscht
der spröde ton zugluft in den
du einstimmst: wir sitzen hier
fest und träumen vergeblich
versprochenes auf

2

gingen wir allein auf uns zurück
bliebe die herkunft der halme
eine randnotiz:
niemand von der umrandung her
abgeleitet mit schneiden bezahnt
mit zäunen - kontroll schutz posten
wo annähernd nichts ist - übergänge
schleusen an denen der wind dreht
zur jeweiligen seite als überwinde nicht
was erheblich ist das durch nichts
zu teilende ganze

Freitag, 17. April 2009

...

die enden der körper, kaltgestellt.
der tag, das bleichmittel auf den augen.
keine namen gemacht, keinen zug.
keine der welten befragt.
die enden der eigenen strecke nicht befühlt.
sich ausgenommen. das fallen zwischen
jedem der schritte verschwiegen.

Freitag, 20. März 2009

[´´]

dein spiegelbildgesicht
das aufgescheuchte wenn du dich
vom waschen aufbeugst
dich richtest mit deinem weshalb und dem appell
an die eigene fasson

deine schlagwortliebe
deine endgültigkeitsnamen

dein ungelebtes und darin
gelebtes leben trägt nicht

kein treibholz in der see vor den augen

Samstag, 10. Januar 2009

himmel / haut variationen

(Auszug)


18
(nach kaschnitz)

Wer sagt
Himmel sei wo Wolken sind
und Wind wäre ihm verwandt
Geschweige denn der Fall
eine Angelegenheit der Höhe.
Proben. Zerreißproben. Probelauf
der aufgeführten Sprache

Ausgelassen den Lichtwechsel
Nicht gesprochen von der Kuppe
Und nebenbei bemerkt nur
die Risse und was darin wächst

Euch abgewiesen
und eure Beschönigung
Die Schuld nicht verschwiegen
Und nicht die Hoffnung

Nichts ewig genannt
weil der Schwur im Moment besteht
der nach ihm verlangt
Aber wer sagt daß


32
(nach kipphardt)

Die Vorzimmer füllen sich
Die Formulare zeigen sich gesprächig
In den Bürobaukästen der recht Gewinkelten
entzünden Seitenblicke
die Aktenlage

Die in der Ausblendung stehen
verlieren die Trennstriche

Die Trübung der Tage
ist ihnen unlöslich

In der Neige des Nichtmehrvoran
durchzieht sie nichts mehr bedrohlich

Sie warten das Unaussprechbare ab
um noch einmal aufzustehen


30
(nach huchel)

Erzeugte Temperatur
Getakteter Tage!
Städte, Steppe.
Provisorium und Vorland.
Dichte der Kreuzungen,
Die mit der flachen Atmung
belegten Bodens
in den verbauten Himmel sah.

Hände voll Zwischenzeit,
Die Stirn auf, Augen noch,
Greifreflexe, wie
Durch Wassermassen
Vernommenes. Schlaf,
Der unverständlich Schwere sprach.

Gedrängte zucken,
Dem Tanz entfernt verwandt,
Den Mundraum aufgeraut
Als hätten sie in Sand gesprochen.
Ein Schlag und sie fielen
Vom Punkt aus im Nacken
An dem sie aufgezogen worden
Waren.


23
(nach aichinger)

Wie soll ich wissen was war?
Durch die vergilbten Aufnahmen,
den Schwank eines nicht näher Bekannten
und die protokollarische Sprache.

Wo das Wort angesetzt,
wird das Spröde besprochen
in sein Geheimnis hinein,
unter welcher Haut
lebe ich?


14
(variation nach krolow)

Das befreite Jahrhundert
ergeht sich in Fortschritt und Fallbeil
durch heiß gesprochene Luft
von Nullstunde zu Nullstunde.

Ich sitze Tage
unter Zeichen.

Vergebliches Streiten
um beinah Nichts, Sinn und
Ausdruck.

Eine Stadt vor den Fenster lärmt
als wisse sie davon.

Harmlos schwimmt Galle
in Zeitungen. Aufgeschwemmtes.

Signale anderer bleiben aus,
selbst Schüsse stören hier nicht,
Außen ausgeblendet-
entfernte Poesie.

Regloser Übergang
von Gedanken.

Unbewegt flieht eins
einem anderen zu.


17
(nach s.kirsch)

Mein Mund will mir nicht folgen
kaum erkennbar ob er mich spricht mein Horizont
krümmt sich dir zu und wird dich nicht erreichen
Bald sind seine Formen eingebüßt ich zähle
schon zurück mein Warten bleibt
Warten ganz gleich was es verkürzt
der Aufruf kann kommen


20
(nach mayröcker)

was brauchst du? einen kopf aufgerichtet eine höhe
dich zu bemessen zu wissen wohin nicht weniger zu
verlangen als was dich überwächst eine höhe die dich
fortsetzt einen angemessenen aufstieg ein abfallen dessen
tiefe dich auszeichnen würde würdest du fallen
du brauchst einen kopf du brauchst was ihn trägt
keinen körper allein nur ein anlauf ein anstoß
zu laufen zu straucheln zu beharren zu irren
zu verfolgen zurück bleiben zu sehen unter dir über dir
die wellen die strömung die wölbung das meer


24
(nach kunze)

Bei meiner weißen haut
und bei der durchsicht deiner:

Wir sind uns zu sehr ausgeliefert,
um beliebig auszuwählen

Und zu dünn besiedelt es zu unterlassen

Bis wir entschieden worden sind
wechseln die Farben
der Druckstellen


13
(nach brinkmann)

Zerfahrener Himmel mit
Resten einer Konstruktion, die Gesichter
kalt, was geht darin vor? Dort bin ich

gewesen, ein paar Fuß weit entfernt,
unter den Rumpf gebundene
Schrittlängen, Dort gingen die Gedanken

aus, die niemand mehr
aufliest, vom Pflaster. Und Federn,
zersetzte Träume, aus möglichen

Türen, Namensschildern und Büros
dieser Tag, was bleibt mir da,
das VORAN durch die Finger, hingedacht?

Wer behauptet mich
hier? Ich bin nur von Zeit
zu Zeit.


28
(nach grünbein)

Als wären Innerlichkeiten so anschaulich aufgeräumt, auf den
Bauplänen, Körperinterieur. Umrisse nur in den
Klinischen Karten, Standbild, was in dir im Umlauf ist,
Ausgespart.

Eigens benannt, Wortschatz, der jede Einstülpung,
Ausbuchtung umfasst, fußt in jedem Vergrößerungsmaßstab.
Vis-à-vis aber, verliert das Gesicht beständig seine äußerste Hautschicht,
Fragt sich was wovon abfällt?

Von allen Modellen bewies das Mechanische wohl
Den größtmöglichen Humor. Zahnräder, in der Brust
Einen Kessel, Denkapparat, der dieses
Quo nihil maius cogitari potest pointierte.

Ob Schreckmoment oder Drohgebärde, es bleibt fraglich,
Weshalb du dich aufgerichtet hast. Ob du ans Ende
Einer Reihe zu bringen bist. Erliegst oder Vorzüge
entdeckst, in deinen Mängeln.


29
(variation nach braun/zitiert:h.müller)

Die Toten geben sich keiner Ruhe hin.
Alte wie neue Knochengerüste durchziehen die Straßen.
Klappern und Rasseln im Gedränge. In der durch einander
erzeugten Enge. DAS HERZ EIN GERÄUMIGER FRIEDHOF.
Die Tonne eingetauscht gegen die preussische
Nationalbibliothek, Diogenes schöpft aus dem Brunnen davor.
Ein müder Stadtgott hat am Treiben nicht teil.
Nach Sieg steht keinem der Sinn. Wille abgewählt.
Die gestrigen Parolen parodieren sich selbst.
FLEISCH UND FLEISCH GESELLT SICH GERN.
____ach ...WIRD ÖDIPUS EINE KOMÖDIE SEIN.
Das Gleichgewicht, ausgeträumt. Was rücken
____die Schlaworte ein
wenn vom Ellbogen, Älterwerden, Zukunftslosen die Rede ist.
Unruhe jedenfalls, bringen sie nicht in die Lehnstühle des Theaters.


7
(nach draesner)

als wärs ein luftversteck
die augen zwei fluchtpunkte
schattenrisse
größerer vögel
traumbesatzungen. von ihnen
verabschieden sich messinstrumente. maintain
aircraft control, weit von der
transparenten, errechneten bahn entfernt,
der schatten der fremden bewegung über
kopfhöhen, zündung im aufprall
im kurzschluss. maintain brain activity
control. im lichtauge gespiegelt,
geädert, boeing, ideen größerer
säuger, der rest war luft
windgang und gerede, pars pro toto.
die anderen. wir und
die fallhöhe.


21
(nach altmann)

weiß zieht die turbinennaht
im flug durch den blick.
für einen moment weiß ich nicht
was jetzt ist oder bedeutet.
etwas, das mich hielt
im fall zwischen jedem der schritte.
ich ziehe es nicht mehr zusammen.
nur irgendwo, aus irgendwoher,
hierhin geirrt. himmel
verschweigt seine ortskenntnis.
ich kehre um. im zwischenlicht
am fluss als kind wagten die fische
gemeinsam den sprung aus dem wasser.
unseren haken entgangen.
als würden sie gezogen in
die gischt über uns.


34
(nach krechel)

Wir bleiben ungehalten zwar aber unversehrt
und verzehren Angeschwemmtes, vom abgefallenen Stoßwasser
zurückgelassen sind wir uns jeweils ein eigener Erdteil.
Im vielfach veratmeten Raum kriecht der Pegel
des Nichtmehrzuleugnenden den Hals hinauf
Landunter mit sichtbaren Spitzen
darüber ein höhnischer Sonnenstand.

Wir bleiben und wo wir vornüber fallen,
treiben wir alsbald mit leichterem Gut
Papier, Zäune, Medikamentenbestände
vielfach verschobene Evakurierung.
Selbstportrait nach denkbar schlechtesten Prognosen.
Verleimte Holzschirme kreuzen sich
mit Stoffbarken, wer noch steht, lebt von Vorflutphantasien.

Wir sind durchlässig geworden
geometrisch umzingelt vom Einkaufsgitter
entschieden unentschieden und
abgestellt selbst sind wir in Fahrt
ein Tag ist Teil der Versuchsanordnung
auf die wir uns verlegt haben.
Ein Zeitlupenleben, ein Schmelztiegelspätsommer
zwischen furchenlosen Flächen verbaut, beraumt zwischen Trennwänden
sich für sich zu behalten, zwängt uns der Zufall zusammen;
die Endoskopie des Empfindens
entwirft uns halb geworden.
Wem Luft bleibt, der schwimmt oben auf.

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wunderbar,
ganz wunderbar! sehr schöne arbeiten. eine tolle...
SehnsuchtistmeineFarbe - 19. Jul, 22:01

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